Abendsommer

17 Jul

SommerabendKoeln (c)Tobi87

Windiges Rauschen,
die Stadt belauschen

Blätter rascheln,
Blicke erhaschen.

Knirschender Kies,
ein Sommerparadies.

Die Sonne versinkt,
von Dächern umringt.

Die Schatten erwachen,
und während sie lachen
die Wärme verschwindet.

Die Straße sich windet,
kein Laut mehr zu hör‘n,
den Sommer nicht stör’n.

Kontrolle

4 Jun

cc-by-sa-JuergenGER

 

Kontrolle über sich selbst. Was ist, wenn jemand denkt, er beherrsche  die Kontrolle über sich, er könnte sich selbst vor dem Absturz retten und die Außenwelt als Schirm betrachten? Abgeschirmt, ausgeschlossen, fremd, irgendwie anders, nicht zugehörig zum Rest der Welt. Wenn er seinen Platz in der Welt verloren hat und doch daran glaubt, er hätte Kontrolle. Ist das Kontrolle? Ist das wirklich Kontrolle, wenn man sich selbst perfektionieren möchte, nur weil die Welt einen nicht als perfekt ansieht? Was bedeutet Kontrolle? Redet man sich das nur ein, ist es ein theoretisches Wort, ohne Sinn oder muss man die Kontrolle behalten, um sich nicht zu nah an den Rand zu wagen? Wer ist man, wenn man denkt, es gibt niemanden, der einen versteht und ist es dann wirklich lohnenswert, zu leben? Ich glaube, es gibt für jeden Menschen einen individuellen Weg, zwar keine Lösung, aber einen Weg besser mit dem umzugehen, was einen bewegt.

Und die Reise nach …

15 Apr

cc-by-sa-pixabay-OpenIcons

 

(Meine Wörter waren: Rucksack, Kamera, Email und Kaugummi.)
Ich packe meinen Rucksack und nehme mit: meine Kamera. Die mit dem Foto von dir. Das Foto, auf dem du lächelst. Du weißt, welches ich meine.
Ich packe meinen Rucksack und nehme mit: meine Kamera. Und die Email. Ausgedruckt, Schwarz auf Weiß. Die Email von dir mit der Adresse.
Ich packe meinen Rucksack und nehme mit: meine Kamera, die Email. Und eine Packung Kaugummi. Falls du Hunger hast.
Ich habe meinen Rucksack gepackt. Er steht in der Ecke. Und du wartest.

Das suizidgefährdete Kaninchen

9 Apr

cc-by-sa.pixabay

 

Aus dem Radio dudelte ein langsamer Song aus dem Sechzigern. Er bildete ein stumpfes Hintergrundgeräusch zu den noch stumpferen Geräuschen im Vordergrund.
„Ach Hedwig, meine Hüfte tut ja so weh!“ – „Ja, eine Schande diese Ärzte von heute, alles, was sie einem verkaufen wollen, ist Botox und Plastikknochen.“
„Hast du letztens Gottschalk gesehen, Herzelinde? Also das nenn ich mal einen attraktiven Mann!“
Gelangweilt matschte ich mit meiner Gabel in dem Stück Erdbeertorte rum, das auf meinem Teller lag, merkte kaum, wie meine Augenlider immer weiter zusackten. Ich versuchte mich auch nicht dagegen zu wehren, denn ehrlich gesagt war Schlafen das einzig Sinnvolle, was man auf Großtante Sigruns Geburtstag tun konnte.
Deshalb hielt ich das Kaninchen auch für einen Traum. Einen ziemlich durchgeknallten, behinderten, definitiv verrückten, aber dafür auch irgendwie liebenswerten Traum. Das Kaninchen wirkte ein bisschen deplaziert auf der Fensterbank des Hochhauses gegenüber. Es hoppelte hin und her, knabberte ein wenig an den Topfblumen, mit denen es sich die Fensterbank teilen musste, dann streckte es sein rosa Näschen nach draußen, schnupperte und sprang aus dem Fenster. Vor Schreck blinzelte ich: plötzlich stellte sich mein vermeintlicher Traum als die Realität heraus. [...]

wetten, dass …

7 Apr

(c) ZDF/Wetten Dass..

 

… ‘Wetten, dass …?’ 2014 Geschichte sein wird?” – Wer hätte sich vor zehn Jahren schon auf diese Wette eingelassen! Ich bestimmt nicht.

Wenn ich an “Wetten, dass …?” denke, dann denke ich zu allererst an Tiramisu-Eis. Früher, als ich noch kleiner war und meine Eltern sich frisch hatten scheiden lassen, da war ich jedes zweite Wochenende bei meiner Mutter. Und samstags abends kuschelten wir uns zusammen ins Bett, aßen unser Abendessen auf einem Tablett, und zum Nachtisch teilten wir uns eine Packung (na gut, keine ganze) Langnese Tiramisu Eis. Das ist Eis mit einer Schokopulver-Schicht oben drauf und Keksstückchen unten drunter – das Schokopulver fand ich klasse, die Kekse nicht so, und bei meiner Mutter war es genau anders herum. Also gab’s für mich Schokopulver-Eis und für sie Keks-Eis und dazu jede Menge Wetten. Ich erinnere mich daran, dass jemand versucht hat, durch den Geruch an Schuhen … ja, was war das denn? Schuhmarke, Sorte, Person? Irgendwie so was zu erraten. Ziemlich eklig jedenfalls. [...]