wort der woche – existenzminimum

21 Mai

Down_and_out_on_New_York_pier - By Franklin D. Roosevelt Presidential Library and Museum: photo by Lewis W. Hine. [Public domain or Public domain], via Wikimedia CommonsWir sagen:

Eigentlich ist Existenzminimum eher ein Unwort der Woche. Denn schlimmer als das Wort ist das Gefühl selbst.

Du sitzt einfach nur da, mit diesem beklemmenden Ziehen in der Brust. Wie sollst du im nächsten Monat deine Rechnungen bezahlen? Was sollst du essen? – Oder schlimmer noch: Wo sollst du hin? Wo wirst du schlafen?

Was wird kommen?

Es ist ein Gefühl voller Unsicherheit. Du bist machtlos dagegen. [...]

es war einmal ein dönerröschen

13 Mai

Tabea hat für euch Dönerröschen gelesen und in den letzten Tagen vielleicht ein bisschen viel Fußball geguckt:

Die drei ersten Sätze vom Jaromir Konecnys Roman Dönerröschen treffen wie Lewandowski für Dortmund:

Wochenlang packte Anne jedes einzelne Haushaltsstück in eine Luftschutzfolie ein und legte die Dinger vorsichtig in Umzugskartons. „Jetzt fangen wir noch mal ganz von vorne an, Baby“, sagte Dok zu Anne, als die Kartons voll waren, und wollte das ganze Zeug zum Sperrmüll fahren. Anne fiel in Ohnmacht und alles blieb beim Alten.

Der Oberhachinger Jonas zieht mit Dok, Anne und dem kuchenbesessenen Hund Napoleonnach München, in das türkische Viertel „Neuperlach“. Am ersten Tag erlebt er schon eine kleine Prügelei auf dem Bolzplatz und lernt dabei Schnauze kennen, der fließend Assi-deutsch spricht. Ein blonder Türke also? In der NORDSEE trifft Jonas auf zwei Perlhühner, die er auf die Namen Hübsche und Spraydose tauft. Die machen sich sofort über ihn lustig. Woher kennt er nur diese Sibel (die Hübsche)? Und warum rät ihm seine Anne, sich bloß nicht in ein türkisches Mädchen zu verlieben? [...]

synästhetisch

13 Mai

Sabrina und Anica testen,  was passiert, wenn man einen Text komplett nur aus Stilmitteln (Synästhesien, Antithesen, Metaphern, Lautmalerei, Personifikationen, etc.) gestaltet. Das Ergebnis ist intensiv bis nichtssagend, oder?

Der Gestank von modrigen Blättern, im Wind raschelnde Kälte. Das gleißend dunkle Orange der wie am Eisberg zerschellten Sonne. Ihre schwindenden Strahlen erwärmten mich ein letztes Mal, bevor die neblige Sternennacht des Winters anbrach.

Das sterbende Blattwerk der herbstfaulen Bäume sank in Heeresscharen auf uns herab.

Das Wummern und Knattern und Donnern des Zuges in meinem Rücken brachte die Welt zum Beben und riss den Menschen, der mich das Leben lehrte im Bruchteil einer Sekunde hinfort. [...]

wort der woche – maibaum

2 Mai

Wir sagen:

“Komm lieber Mai und mache, die Bäume wieder grün”, heißt es in einem alten Kinderlied. Die Bäume sind endlich grün geworden, der Winter war ja lang genug. Seit gestern hängen die armen grünen und jungen Birken abgeschnitten, abgehakt und abgesägt an Regenrinnen, Laternenpfählen und Balkonen der Republik und trocknen vor sich hin.

Die Größe der Maibäume, die vor vielen Jahren am Niederrhein Jungs auf einen Trecker luden und mit dem Anhänger in die Regenrinnen ihrer Angebeteten steckten, hat sich proportional vergrößert, in der Zeit, die dazwischen  liegt. Damals erklomm am 30. April ein angetrunkenes Grüppchen die Regenrinne meines Elternhauses. Sehr zu Sorge meines Vaters, der sich sowohl um die körperliche Unversehrtheit der Anwesenden, als auch um seinen Regenrinne sorgte. Das lag aber nicht an der Größe der Maie, sondern schier an der Masse junger Mann, die an ebendieser hing. Die Maie war vielleicht zwei Meter hoch. Selbstgeschlagen im Wald, von dem es am Niederrhein genug gibt. Geschmückt mit ein paar Kreppbändern. Fertig war der Liebesbeweis. Die Jungs hatten eh am meiste Spaß. Sie durften durch die Gegend tuckern. [...]

nachruf

2 Mai

“Aber da war doch was”

will ich dir nachrufen

 

Einst teiltest du mit mir

deine wichtigen Nebensächlichkeiten

weil sie es ausmachen

das “uns”

 

Und jetzt? [...]